Die neue Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann

Marion Ackermann „Querdenken reizt mich“

Anzeige F irst Lady – die neue Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, wird den weltberühmten Verbund aus 14 Institutionen führen: ein Gespräch über Pläne und Perspektiven. Von Siiri Klose

Hatten Sie schon vor Ihrer Berufung zur General­direktorin Berührungspunkte mit Dresden?
Marion Ackermann: Als ich noch in München studiert habe, fuhr ich oft ins Deutsche Hygiene-Museum Dresden. Das war lange mein Lieblingsmuseum, weil ich viel Wissen aus diesen unglaublich prägnanten kulturwissenschaftlichen Ausstellungen wie „Darwin und Darwinismus“ schöpfen konnte. 2014 habe ich mit Hartwig Fischer für die Ausstellung „Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee“ zusammengearbeitet, die in Dresden und Düsseldorf gezeigt wurde. In Düsseldorf nahm ich noch den ägyptischen Künstler Wael Shawky dazu, der mittelalterliche Kreuzzüge mit Marionetten nachspielt. Wäre ich schon hier gewesen, hätte ich sicher angeregt, dass die Dresdner Puppentheatersammlung etwas mit ihm zusammen produziert. Diese interdisziplinäre Verbindung von Historie und Gegenwart, dieses Querdenken reizt mich.

Sie sind Expertin auf dem Gebiet der klassischen ­Moderne und sollen sich nun der Pflege des sächsischen Staatsschatzes widmen. Wie passt das zusammen?
Ich bin ja als Generaldirektorin hier, meine eigene Spezialisierung ist also nur ein Impuls unter vielen. Nach 20 Jahren im Feld Moderne und Gegenwart finde ich es gut, Abstand zum zeitgenössischen Kunstmarkt zu bekommen und in diese historisch gewachsene Vielfalt einzutauchen.

Fast alle Dresdner Sammlungen haben in den letzten Jahren neue Räume, Präsentationen, Ausstellungskonzepte bekommen. Was soll das nächste Ziel sein?
Wenn man behauptet, dass die Form, die man gefunden hat, unveränderlich sei, dann ist das der Tod jeder Sammlung. Wir müssen uns immer fragen, warum wir etwas machen: als dieser Mensch, in diesem Jahr, für dieses Publikum. Die große Qualität der Dresdner Sammlungen besteht darin, dass sie immer neue Querverbindungen und Fragestellungen zulassen, die sie für ein junges und älteres Publikum immer wieder spannend machen. Unsere große Chance ist dieses tolle Direktorenteam: altersgemischt, geschlechtergemischt, mit Erfahrungen aus verschiedenen Hintergründen und Ländern. Die Direktorin der Ethnographischen Sammlungen etwa, Nanette Jacomijn Snoep, kommt von der französischen Tradition des Musée du quai Branly, Schlossdirektor Dirk Syndram prägte 23 Jahre den Wiederaufbau des Residenzschlosses. Für die Zusammenarbeit muss es einen formellen Rahmen geben, in dem Dinge pragmatisch entschieden werden – und einen informellen, der freies Querdenken und Voneinander-Lernen befördert. Es wird eine entscheidende Aufgabe sein, über die Präsentation der historischen Sammlungen eine zeitgemäße Diskussion mit allen zu führen – auch mit dem Publikum.

Marion Ackermann: Seit dem 1. November 2016 ist sie die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die sich auf neun Häuser verteilen – ihr Portraitfoto entstand im Residenzschloss. Vorher leitete sie die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, berühmt für hochkarätige Werke der Klassischen Moderne und zeitgenössische Arbeiten. Ihr Vorgänger in Dresden war Hartwig Fischer. skd.museum

Marion Ackermann

Seit dem 1. November 2016 ist sie die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die sich auf neun Häuser verteilen – ihr Portraitfoto entstand im Residenzschloss. Vorher leitete sie die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, berühmt für hochkarätige Werke der Klassischen Moderne und zeitgenössische Arbeiten. Ihr Vorgänger in Dresden war Hartwig Fischer.
skd.museum