Orchester Kulturpalast Dresden

Kulturpalast Dresden Neue Töne

Anzeige F ünf lange Jahre war man auf Wanderschaft. Seit der Kulturpalast im Juli 2012 endgültig seine bronzenen Eingangstüren schloss und sich bereit machte für den Einbau eines Konzertsaals, der endlich den akustischen Ansprüchen der Philharmonie genügen sollte, war der geschichtsträchtige Dresdner Klangkörper heimatlos. Die Dresdner Philharmonie freut sich auf einen neuen Klang – und eigene Spindschlüssel. Von Siiri Klose

Endlich angekommen

„Unterwegs“ hieß in dieser Phase das übergeordnete Motto aller Spielzeiten, und es war durchaus spannend zu sehen, welche Orte in Dresden Konzertqualitäten aufwiesen: Mit den Kunstwerken im Albertinum korrespondierte Strawinskys „Petruschka“ genauso gut wie Kammerkonzerte mit dem märchenhaften Kronensaal von Schloss Albrechtsberg. Frauenkirche, Schauspielhaus, Kreuzkirche: Alles freundliche Gastgeber, alles wunderschöne Spielstätten, aber irgendwann macht Umherziehen müde.

Wir freuen uns auf einen Saal voller Intimität, Wärme, Atmosphäre und einer tollen Akustik.
Michael Sanderling, Chefdirigent der Dresdner Philharmonie

Nun hat es ein Ende: Nach langer Diskussion und Planung verfügt die Dresdner Philharmonie über einen fulminanten Konzertsaal, der (dank der Vermessungskünste des niederländischen Akustikbüros Peutz Consult) den gewünschten, dunkel anmutenden Klang aufweist. Das Foyer wurde originalgetreu rekonstruiert, Proben- und Verwaltungsräume sind neu – und über die abschließbaren Garderobenspinde freut man sich besonders: Endlich ein Ort, an dem die Dinge eines Orchester-Alltags bleiben können, an dem sich nicht dauernd alles ändert. 81 Millionen Euro hat Dresden für den Umbau ausgegeben. Heimlich ist die Stadtverwaltung stolz darauf, dass die Kosten im Rahmen blieben und kaum ein ernstzunehmender Bauverzug auflief.

Der Kulturpalast war ein kleiner Sieg über den großen Bruder in Moskau: Der wollte, dass hier eine Art Lomonossow-Universität emporragt. Doch nach Stalins Tod 1953 setzte sich Wolfgang Hänsch mit seinem Entwurf durch
Der Kulturpalast war ein kleiner Sieg über den großen Bruder in Moskau: Der wollte, dass hier eine Art Lomonossow-Universität emporragt. Doch nach Stalins Tod 1953 setzte sich Wolfgang Hänsch mit seinem Entwurf durch

Als 1969 der Kulturquader eröffnet wurde und der Philhamonie nach ihrem ersten Exil im Deutschen Hygiene-Museum eine Heimat gab, widmete ihn die Stadt gleichzeitig auch ihrer Bevölkerung: Die klassische Musik teilte sich den Saal mit Preisträgerkonzerten der Laienkünstler, den Rätetreffen der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und nach 1989 den Frühlingsfesten der Volksmusik. Akustik war eine nachrangige Größe, wichtiger die Wandelbarkeit der Bühne und das Fassungsvermögen des Zuschauerraums.

Drachen als Sitz- und Spielgelegenheiten in der Städtischen Zentralbibliothek Dresden
Die Städtische Zentralbibliothek wird im Kulturpalast für Tagaktivität sorgen: Sie übernimmt 6700 Quadratmeter Fläche im ersten und zweiten Geschoss und rechnet mit bis zu 4000 Besuchern pro Tag. Die Deutschen Werkstätten Hellerau, die bereits 1969 nun denkmalgeschützte Holzeinbauten im Kulturpalast fertigten, haben Drachen und Weltraumstationen als Sitz- und Spielgelegenheiten für die Kinder- und Jungendabteilung entworfen. bibo-dresden.de

Nun ist die Dresdner Philharmonie auch die Herrin im Haus: „Die Bühne ist groß genug für Orchester“, sagt der künstlerische Betriebsdirektor Martin Bülow, „doch raumgreifende Bühnenbilder gibt der Platz nicht her.“ Die 70 Abende pro Jahr, an denen die Philhamonie ihre Konzertbühne an Musical, Filmmusik, Ballett und Pop abtritt, werden sich dennoch füllen: „Die Kastelruther Spatzen, Maite Kelly, Mireille Matthieu, Frank Schöbel, Hans Klok, Max Raabe, Howard Carpendale, Helmut Lotti, Die Prinzen – sie haben alle schon angefragt“, sagt Bülow. Denn der neue Saal in diesem lichten Solitär steht unmittelbar am Altmarkt – und damit im Herzen von Dresden.

Eröffnungswochenende 28. bis 30. April 2017

Neuer Konzertsaal der Dresdner Philharmonie
Neuer Konzertsaal der Dresdner Philharmonie

Festkonzerte

Chefdirigent Michael Sanderling steht am Pult, wenn die Dresdner Philharmonie mit der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven den Konzertsaal eröffnet.Für die leisen, zarten Töne wurden drei Lieder von Franz Schubert in einer Fassung für Bariton und Orchester ausgewählt, für die Matthias Goerne als Solist gewonnen werden konnte. Den fulminanten Auftakt bildet jeweils die „Festliche Ouvertüre“ von Dmitri Schostakowitsch.
„Ode an die Freude“, 29. + 30.4.2017.
Michael Sanderling, Dirigent; Christiane Libor, Sopran; Silvia Hablowetz, Alt; Daniel Kirch, Tenor; Matthias Goerne, Bariton; MDR Rundfunkchor, Philharmonischer Chor Dresden, Philharmonischer Kinderchor Dresden, Dresdner Philharmonie

Der Kulturpalast war ein kleiner Sieg über den großen Bruder in Moskau: Der wollte, dass hier eine Art Lomonossow-Universität emporragt. Doch nach Stalins Tod 1953 setzte sich Wolfgang Hänsch mit seinem Entwurf durch. Vom einstigen sozialistischen Kulturbetrieb ab 1969 zeugen die Reliefs der Bronzetüren, die Dresdens Stadtgeschichte eng mit der Arbeiterbewegung verknüpfen, und das Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ von Gerhard Bondzin. Vom Auf- bis zum Umbau durch das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner handelt eine Ausstellung des Stadtmuseums Dresden. stmd.de

Der Kulturpalast

Vom einstigen sozialistischen Kulturbetrieb ab 1969 zeugen die Reliefs der Bronzetüren, die Dresdens Stadtgeschichte eng mit der Arbeiterbewegung verknüpfen, und das Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ von Gerhard Bondzin. Vom Auf- bis zum Umbau durch das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner handelt eine Ausstellung des Stadtmuseums Dresden.
stmd.de
22.4. – 17.09.2017

Roland Kaiser und die Dresdner Philharmonie – ein gemeinsamer Auftakt für ein Haus, in dem klassische Musik eine ebenso große Rolle spielt wie alle anderen musikalischen Spielarten auch. Nirgends hat der Kaiser mehr Fans als in Dresden.

Kaiser im Palast

Roland Kaiser und die Dresdner Philharmonie – ein gemeinsamer Auftakt für ein Haus, in dem klassische Musik eine ebenso große Rolle spielt wie alle anderen musikalischen Spielarten auch. Nirgends hat der Kaiser mehr Fans als in Dresden.
„Grenzenlos“, 4. – 6.5.2017

Marek Janowski war von 2001 bis 2003 Chefdirigent der Dresdner Philharmonie. Er verließ das Orchester, weil kein neuer Konzertsaal in Sicht war. Nun kehrt er mit einem Bruckner-Programm zurück.

Stars am Pult

Marek Janowski war von 2001 bis 2003 Chefdirigent der Dresdner Philharmonie. Er verließ das Orchester, weil kein neuer Konzertsaal in Sicht war. Nun kehrt er mit einem Bruckner-Programm zurück.
„Marek Janowski dirigiert“, 21.5.2017

3870 Pfeifen hat die neue Konzert­orgel.

4109 Pfeifen

4109 Pfeifen hat die neue Konzert­orgel. Gebaut wurde sie im nahen Bautzen: Die Hermann Eule Orgelbau GmbH fertigt seit 145 Jahren Instrumente von Lüchow bis Vaduz. Für das Dresdner Exemplar hat Lutz Kittelmann, der Chef des Philharmonie-Fördervereins, eine Million Euro Spenden bei Musiklieb­habern eingesammelt.
Einweihung Orgel: 8.9.2017

Für die Herkuleskeule ist Politik keine Verhandlungssache, dafür Lebensgrundlage,

Die Herkuleskeule

Für die Herkuleskeule ist Politik keine Verhandlungssache, dafür Lebensgrundlage: Seit 1961 kommentiert das Kabarett-Theater systemübergreifend die Parolen, Finten und Volten des Politikbetriebs. Ab 2017 mit ebenfalls neuem Saal im Untergeschoss des Kulturpalastes.
herkuleskeule.de